Tag 1 im Kindergarten „Notbetrieb“

Normal ist anders…

Am Tag nach dem Brandanschlag, hatten wir als Kindergarten schon beschlossen, dass es trotzdem weiter geht. Niemand hätte es uns verübelt, wenn wir gesagt hätten wir machen jetzt erst mal 2-3 Tage zu, um uns ordentlich zu sortieren. Ich persönlich hätte auch diese Entscheidung mitgetragen. 

Doch wir wussten, dass wir so nun mal nicht ticken. Das hätte nur weitere Ängste geschürt. Wäre eine weitere Bestrafung für die Kinder und uns Eltern gewesen. Wir hatten gerade zwei Bauwagen verloren, warum sollten wir auch noch unseren routinierten Tagesablauf opfern?

Dies war der Grundgedanke und es hat sich als richtig erwiesen. Doch schnell war aber auch klar, so richtig routiniert und alltäglich wird der erste Tag dann doch nicht. Wir wussten auch schon schnell, dass wir Hilfe brauchen werden. Eine „Telefonkette“ wie wir sie bei Sturm- oder Gewitterwarnung tatsächlich noch machen, wird uns in diesem Falle auch nicht weiterhelfen.

Deswegen hatten wir vorsichtig mal bei der Presse angefragt, ob nicht jemand mal vorbeischauen möchte. Von vergangenen Aktionen hatten wir noch einen Presseverteiler und weitere Eltern haben Kontakte zur Verfügung gestellt. Am Samstag Abend ging eine E-Mail an diesen Verteiler aber bis Sonntag Nachmittag gab es nur Antwort von einer Zeitung. Besser als nichts dachten wir und waren dann sehr erstaunt am Montag morgen was dann doch alles aufgefahren wurde.

Was als kleines 30 Minuten Event geplant war, dauerte für einige dann 3 Stunden. Die Arbeiten die eigentlich stattdessen geplant waren, das komplette Aus- und Umräumen des Notbehelfbauwagen konnten wir nicht in Angriff nehmen. Die Brombeerkinder nahmen es wie immer gelassen und blieben die ganze Zeit im Wald.

Die Presse selbst und alle Besucher bekamen so hautnah mit, wie kalt und zugig es da zugehen kann. Die Eltern waren durchgefroren. Die Besucher und auch einige Pressevertreter. Und unsere Kids waren da aber schon zwei Stunden länger da.

Zufällig (oder auch nicht) kam der WDR just in dem Moment, als die Brandermittler ihre Arbeit aufnahmen. Auch die Ermittler stellen uns einige Fragen. Sie waren sehr nett und zuvorkommend zu uns. Beantworteten am Schluss geduldig unsere eigenen Fragen. Schon hier wurde uns deutlich mitgeteilt, dass die Ursache für das Feuer nur Brandstiftung gewesen sein kann. Dies hat uns natürlich erschüttert, auch wenn wir es selbst schon irgendwie ahnten.

Wir wissen was während des Kindergartenbetriebs, am Bauwagengelände und in den Bauwagen selbst stattfindet. Von selbst kann sich hier nichts entzünden. Das Rauchverbot wird von uns strikt am Gelände eingehalten. Keiner will, dass seine eigenen Kinder mit weggeworfenen Zigaretten spielt.

Dennoch war es ein Schock, dass es jemand gibt der uns absichtlich in diese Lage gebracht hat. Was ist bei diesem Menschen falsch gelaufen? Ich hab da mehr Mitleid, als dass ich sauer bin.

Das Gelände wurde danach direkt freigegeben. Die Stadt Rheinbach hatte alles schon vorsorglich abgesperrt, damit keine Kinder oder Passanten reinlaufen.

Auch das Jugendamt war mit ihrer Hilfe schnell zu Stelle. Denn wir hatten uns das zwar schön überlegt mit dem enger zusammenrücken. Aber bei Behörden hört man ja dann schon mal gerne : „Moment mal… so einfach geht das ja nicht!“ Gott sei Dank, war es in unserem Fall aber so einfach und das Landesjugendamt hatte die Freigabe für unseren Provisorischen Notbehelfslösung  nachmittags direkt schriftlich mitgegeben. Klar ist es aber auch hier, dass es kein Dauerzustand werden darf. Aber das Jugendamt weiß, dass dies auch von uns nicht so geplant ist.

Alles in allem, viel Unterstützung am Tag. Viele rührende Angebote und haufenweise Spenden. Das umräumen kam dann am Nachmittag, da waren es aber nicht mehr so viele Brombeeren. Der Härtetest sollte heute stattfinden. Bleibt dran, denn von dieser Erfahrung berichten wir auch noch.

Vielen Dank für die vielen Spenden, E-Mails, Messages. Liken, teilen, Anrufe. Alles eben! Ihr seid die Besten und wir vertrauen darauf, das noch ein paar dazu kommen. Dann packen wir das.

David Chakrabarty

Im folgenden ein paar Eindrücke vom „Pressevormittag“

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